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Die AfD – eine Partei der Mitte, aber mit Ecken und Kanten

Die Alternative für Deutschland hat im Mai 2014 das INSA-Institut in Thüringen beauftragt, per Umfrage mit 2033 Befragten herauszufinden, wo die Wähler die AfD auf der politischen Skala einordnen. Das Ergebnis wurde in der AfD Kompakt, Ausgabe 6/14, veröffentlicht.

Die Befragten sollten die AfD und andere Parteien auf einer Skala von 1-10 einordnen (1 = ganz links, 10 = ganz rechts, die Mitte liegt also bei 5,5). Das Ergebnis: Die Befragten ordnen die AfD überwiegend in der Mitte und gemäßigt rechts ein. 32% aller Befragten sahen die AfD beim Punkt 5, 11% beim Punkt 6, oder mit anderen Worten: 43% der Wahlberechtigten sehen die AfD als eine Partei der Mitte. Weitere 23% ordnen die AfD eher gemäßigt rechts ein (Punkte 7 und 8). 15% der Wähler sehen die AfD weit rechts (Punkte 9 und 10), 18% hingegen sogar eher links (Punkt 4 und kleiner).
Werden nur diejenigen Befragten betrachtet, die sich selbst als AfD-Wähler bezeichneten, ordnen 58% die AfD in der politischen Mitte und 34% auf der gemäßigten Rechten (d.h. auf etwa zwei AfD-Wähler, die die AfD in der Mitte einordnen, kommt ein AfD-Wähler, der sie als gemäßigt rechts einordnet. Das entspricht in etwa auch der Relation bei den Befragten insgesamt). Als extrem ordnen die bekennenden AfD-Wähler die Partei (und damit wohl auch sich selbst) deutlich seltener ein als die Befragten insgesamt: Nur jeweils etwa 4% der AfD-Wähler denken, dass die AfD weit rechts bzw. links steht.

Diejenigen Befragten, welche sich als Wähler von CDU/CSU, kleiner Parteien oder als Nichtwähler bezeichneten, stuften die AfD ähnlich ein wie die AfD-Wähler selbst. Wähler von SPD, Linken und Grünen sehen die AfD eher als Partei der gemäßigten Rechten als der Mitte, aber selbst unter ihnen ordnet nur eine Minderheit die AfD weit rechts ein.

Schaut man sich an (Grafik), wo die Wahlberechtigten die verschiedenen Parteien auf dem Links-Rechts-Schema einordnen, fällt auf, dass die AfD im Durchschnitt mit 5,99 Punkten eingestuft wird (also noch in der politischen Mitte), nur ganz geringfügig weiter rechts als CDU/CSU (5,91) und FDP (5,55). Dagegen ist die AfD auf dieser Skala aus Sicht der Mehrzahl der Befragten weit weg von der stark rechts eingeordneten NPD (8,11). Selbst der Abstand der AfD zu SPD (4,37) und Grünen (4,21) ist geringer als der Abstand zwischen AfD und NPD, lediglich zur Linken (2,55) besteht eine größere Distanz (die Linke wurde durch die Befragten insgesamt als am weitesten von der politischen Mitte entfernt eingeordnet).

Warum aber versuchen die Gegner, die AfD am rechten Rand einzumauern? Die Antwort ist einfach, wen man sich anschaut wo sich die Befragten politisch selbst einordnen: rund 51% der 2033 Befragten rechnen sich der Mitte zu, 33% der Linken und nur 16% der Rechten. D.h., in der Mitte und links kann man viel mehr Wähler gewinnen (und verlieren) als rechts. Allerdings ist die Propaganda offenbar nicht aufgegangen: Eine deutliche Mehrheit der Wähler sieht die AfD genau da, wo sie selbst stehen: als Partei der Mitte oder gemäßigt rechts – genauso wie die CDU/CSU. Die AfD ist eine ganz normale Partei der Mitte, aber mit Ecken und Kanten. Gerade das macht sie populär – und das gefällt unseren Gegnern überhaupt nicht.

Die Erkenntnisse decken sich mit Ergebnissen der Analyse des Wahlverhaltens zur Bundestagswahl 2013, publiziert in einem FAZ-Online-Artikel vom 28.01.2014. Hier wurde u.a. das Stimmensplitting von AfD-Zweitstimmen-Wählern untersucht. Interessant wird es, wenn man ausschließlich die Wähler betrachtet, welche ihre Zweitstimme der AfD, ihre Erststimme hingegen einer anderen relevanten Partei gaben (die AfD kandidierte in vielen Wahlkreisen überhaupt nicht um Erststimmen). Denn hieraus kann man erkennen welchem Lager sich die AfD-Wähler ansonsten zugehörig fühlen. Es ergibt sich folgendes Bild:

  • CDU/CSU: Bund 40% (46%), West 42% (46%), Ost 30% (42%)
  • SPD: Bund 25% (28%), West 27% (30%), Ost 14% (25%)
  • Linke: Bund 16% (9%), West 11% (10%), Ost 25% (19%)
  • Piraten: Bund 9% (2%), West 8% (3%), Ost 9% (3%)
  • Grüne: Bund 5% (9%), West 6% (6%), Ost 3% (6%)
  • FDP: Bund 5% (5%), West 5% (6%), Ost 3% (3%)
  • NPD: Ost 14% (3%). Für West und den Bund insgesamt mangels NPD-Direktkandidaten keine belastbare Angabe möglich.

Die Werte in Klammern geben zum Vergleich das Abschneiden der jeweiligen Partei bei der Bundestagswahl 2013 an (Prozentzahlen genormt auf die Summe der Zweitstimmen für CDU/CSU, SPD, Linke, Piraten, Grüne, FDP und (nur Ost) NPD). Vor allem in Westdeutschland entspricht die politische Lagerorientierung der AfD-Wähler fast genau der Orientierung der Wähler insgesamt. Selbst die angebliche Intimfeindschaft zu den Grünen bildet sich nicht ab (auffallend ist eine gewisse Affinität eines Teils der AfD-Wähler zu den Piraten). Lediglich im Osten ist ein überproportionaler Hang eines Teils der AfD-Wähler zu den politischen Rändern unverkennbar, aber auch hier nicht nur nach rechts, sondern ebenso auch nach links.

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