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Bundesparteitag Essen: Woher kamen die Teilnehmer?

herkunft_teilnehmer_bundesparteitag_essen_150704_150705Mittlerweile liegen Zahlen hinsichtlich der Teilnehmer des Bundesparteitags der Alternative für Deutschland am 4./5. Juli 2015 in Essen vor. Es war ein Mitgliederparteitag, d.h. jedes Mitglied konnte teilnehmen und den neuen Bundesvorstand mitwählen. Insgesamt nahmen 3.502 Mitglieder teil, von welchen sich 2.764 im Vorfeld elektronisch registrierten. Diese Auswertung bezieht sich nur auf diese 2.764 Teilnehmer.

Zum Zeitpunkt des Bundesparteitags hatte die AfD 20.359 Mitlieder. Es nahmen somit 13,6% der Mitglieder am Parteitag teil. Am höchsten war, wenig überraschend, der Zuspruch von Mitgliedern aus Nordrhein-Westfalen (17,7%), am niedrigsten aus Schleswig-Holstein (10,2%). Auffallend war jedoch auch eine überproportionale Teilnahme von Mitgliedern aus Thüringen, Brandenburg und Sachsen (also den drei Flächenstaaten, in welchen die AfD im Landtag vertreten ist und wo die AfD-Landesverbände entsprechend auch finanziell gut ausgestattet sind und teilweise die Anreise der Mitglieder bezuschussen konnten). 14,3% der Teilnehmer kamen aus den 5 neuen Bundesländern, obwohl dort nur 12,6% der AfD-Mitglieder leben. 81,4% kamen aus den 10 alten Ländern und 4,2% aus Berlin (dort leben 82,9% bzw. 4,5% der AfD-Mitglieder). Sicher hat die neugewählte erste AfD-Bundessprecherin Frauke Petry im Osten besonders hohe Sympathiewerte. Allerdings,  selbst wenn 100% der Teilnehmer aus den 5 neuen Bundesländern für Petry gestimmt hätten, hätte Petry auch von einer, wenn auch knappen, Mehrheit von 53% der Teilnehmer aus dem Westen und aus Berlin gewählt werden müssen, um ihr Stimmergebnis von 60% zu erklären (in Wahrheit gab es sicher auch Lucke-Anhänger unter den “Ossis”, und der Zuspruch zu Petry im Westen und Berlin war entsprechend höher).

Hier die detaillierten Teilnehmerzahlen, geordnet nach der Anzahl Teilnehmer relativ zur Anzahl Mitglieder im jeweiligen Bundesland (“Gleichverteilung” bezieht sich auf die hypothetische Teilnehmerzahl pro Bundesland, wenn alle 2.764 Teilnehmer genauso über die Bundesländer verteilt wären wie die Mitglieder):

  1. Nordrhein-Westfalen: 728 (17,7%) von 4.107 Mitgliedern. 170 Teilnehmer mehr als bei Gleichverteilung (30,6% mehr).
  2. Thüringen: 70 (16,6%) von 421 Mitgliedern. 13 Teilnehmer mehr als bei Gleichverteilung (22,5% mehr).
  3. Brandenburg: 107 (16,2%) von 659 Mitgliedern. 18 Teilnehmer mehr als bei Gleichverteilung (19,6% mehr).
  4. Sachsen: 135 (15,9%) von 847 Mitgliedern. 20 Teilnehmer mehr als bei Gleichverteilung (17,4% mehr).
  5. Bremen: 22 (15,6%) von 141 Mitgliedern. 3 Teilnehmer mehr als bei Gleichverteilung (14,9% mehr).
  6. Hessen: 288 (14,3%) von 2019 Mitgliedern. 14 Teilnehmer mehr als bei Gleichverteilung (5,1% mehr).
  7. Sachsen-Anhalt: 41 (13,3%) von 308 Mitgliedern. 1 Teilnehmer weniger als bei Gleichverteilung (1,9% weniger).
  8. Mecklenburg-Vorpommern: 43 (13,1%) von 329 Mitgliedern. 2 Teilnehmer weniger als bei Gleichverteilung (3,7% weniger).
  9. Berlin: 117 (12,7%) von 919 Mitgliedern. 8 Teilnehmer weniger als bei Gleichverteilung (6,2% weniger).
  10. Niedersachsen: 229 (12,6%) von 1814 Mitgliedern. 17 Teilnehmer weniger als bei Gleichverteilung (7,0% weniger).
  11. Rheinland-Pfalz: 151 (12,5%) von 1206 Mitgliedern. 13 Teilnehmer weniger als bei Gleichverteilung (7,8% weniger).
  12. Hamburg: 59 (12,2%) von 482 Mitgliedern. 6 Teilnehmer weniger als bei Gleichverteilung (9,8% weniger).
  13. Bayern: 329 (11,4%) von 2895 Mitgliedern. 64 Teilnehmer weniger als bei Gleichverteilung (16,3% weniger).
  14. Baden-Württemberg: 324 (10,7%) von 3038 Mitgliedern. 88 Teilnehmer weniger als bei Gleichverteilung (21,4% weniger).
  15. Saarland: 35 (10,6%) von 329 Mitgliedern. 10 Teilnehmer weniger als bei Gleichverteilung (21,6% weniger).
  16. Schleswig-Holstein: 86 (10,2%) von 845 Mitgliedern. 29 Teilnehmer weniger als bei Gleichverteilung (25,0% weniger).

Gleichzeitig erlauben die Daten noch eine weitere Analyse: Wie gut ist die AfD in den Ländern organisiert, relativ zur jeweiligen Einwohnerzahl (entnommen aus Wikipedia)?20.359 Mitglieder, 0,025% der Einwohner Deutschlands gehörten somit zum Zeitpunkt des Parteitags, der AfD an (also etwa einer von 4.000). An der Spitze steht Hessen, hier sind 0,033% der Einwohner (also etwa einer von 3.000) AfD-Mitglieder. Schlusslicht ist Sachsen-Anhalt mit 0,014% (etwa einer von 7.000). Nordrhein-Westfalen liegt mit 0,023% leicht unter dem Bundesdurchschnitt. Hier die detaillierte Rangliste:

  1. Hessen: 2.019 Mitglieder (0,033% der Einwohner). 495 Mitglieder mehr als bei Gleichverteilung (32,5% mehr).
  2. Saarland: 329 Mitglieder (0,033% der Einwohner). 79 Mitglieder mehr als bei Gleichverteilung (31,7% mehr).
  3. Rheinland-Pfalz: 1.206 Mitglieder (0,030% der Einwohner). 199 Mitglieder mehr als bei Gleichverteilung (19,8% mehr).
  4. Schleswig-Holstein: 845 Mitglieder (0,030% der Einwohner). 135 Mitglieder mehr als bei Gleichverteilung (19,0% mehr).
  5. Baden-Württemberg: 3038 Mitglieder (0,029% der Einwohner). 358 Mitglieder mehr als bei Gleichverteilung (13,4% mehr).
  6. Hamburg: 482 Mitglieder (0,028% der Einwohner). 42 Mitglieder mehr als bei Gleichverteilung (9,5% mehr).
  7. Brandenburg: 659 Mitglieder (0,027% der Einwohner). 42 Mitglieder mehr als bei Gleichverteilung (6,8% mehr).
  8. Berlin: 919 Mitglieder (0,027% der Einwohner). 56 Mitglieder mehr als bei Gleichverteilung (6,5% mehr).
  9. Nordrhein-Westfalen: 4107 Mitglieder (0,023% der Einwohner). 322 Mitglieder weniger als bei Gleichverteilung (7,3% weniger).
  10. Niedersachsen: 1814 Mitglieder (0,023% der Einwohner). 150 Mitglieder weniger als bei Gleichverteilung (7,6% weniger).
  11. Bayern: 2895 Mitglieder (0,023% der Einwohner). 282 Mitglieder weniger als bei Gleichverteilung (8,9% weniger).
  12. Bremen: 141 Mitglieder (0,021% der Einwohner). 25 Mitglieder weniger als bei Gleichverteilung (14,9% weniger).
  13. Sachsen: 847 Mitglieder (0,021% der Einwohner). 173 Mitglieder weniger als bei Gleichverteilung (17,0% weniger).
  14. Mecklenburg-Vorpommern: 329 Mitglieder (0,021% der Einwohner). 74 Mitglieder weniger als bei Gleichverteilung (18,3% weniger).
  15. Thüringen: 421 Mitglieder (0,019% der Einwohner). 124 Mitglieder weniger als bei Gleichverteilung (22,7% weniger).
  16. Sachsen-Anhalt: 308 Mitglieder (0,014% der Einwohner). 258 Mitglieder weniger als bei Gleichverteilung (45,6% weniger).

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