Gewalt- und StraftatenMedienpolitikPolitical CorrectnessZuwanderung

„Aktenzeichen XY“ wollte keinen schwarzen Täter zeigen

Fahndungsfoto der Dortmunder Polizei

Update: Laut einer offiziellen Stellungnahme des ZDF auf Twitter vom 21. August 2015 soll der umstrittene Beitrag nun doch wie geplant gezeigt werden. Der mediale Aufschrei hat offenbar gewirkt.

„Er sollte damit noch etwas warten, ein, zwei, drei Jahre, wie man ihm riet, mit der zu früh aufgestandenen Wahrheit in seiner Strophe, in seinem Lied“. Man fühlt sich unweigerlich an dieses 1989 produzierte „Lied von der zu früh aufgestandenen Wahrheit“ (hier im Video) des DDR-Lindermachers  Gerhard Schöne erinnert (der es in genialer Weise geschafft hat dass nur seine Pointen gesessen haben und nicht er selbst), wenn man das folgende liest:

Die Dortmunder Regionalzeitung WAZ schrieb am 20. Ausgust 2015:

„Aktenzeichen XY“ zeigt einen Beitrag nicht, weil der mutmaßliche Vergewaltiger einer [21-jährigen] Frau schwarz ist. Aktuell sei nicht der richtige Zeitpunkt. … Die Chefredakteurin Ina-Maria Reize-Wildemann begründete den Entschluss am Donnerstag mit der Stimmungsmache gegen Flüchtlinge in Deutschland. … „Wir wollen kein Öl ins Feuer gießen und keine schlechte Stimmung befördern. Das haben diese Menschen nicht verdient.“  … Sendetermin für den bereits fertig gedrehten Beitrag sollte der 2. September 2015 sein. Aktenzeichen XY werde den Beitrag stattdessen voraussichtlich im Dezember 2015 oder Anfang 2016 senden. Was aber, wenn die hasserfüllten Kommentare gegenüber Flüchtlingen bis dahin nicht nachlassen? „Das entscheiden wir dann … der Zeitpunkt muss richtig sein.“

Wir haben, wie man oben sieht, keine Bedenken gegen die Veröffentlichung des Fahndungsfotos und weiterer Details. OK, das wird niemanden überraschen. Bevor uns jemand Einseitigkeit vorwirft, deshalb hier noch ein weiteres Gerhard-Schöne-Lied:

Das Lied „Kaltes Klima“ (1988, hier als Audio) behandelt das Tabuthema Rassismus und Ausländerfeindlichkeit in der DDR. Erzählt wird aus der Perspektive eines mosambikanischen Vertragsarbeiters (am 31. Dezember 1989 waren etwa 93.500 von insgesamt 191.200 Ausländern in DDR, die damals etwa 16,7 Millionen Einwohner hatte, sogenannte Vertragsarbeiter. 59.000 davon kamen aus  Vietnam, 15.100 aus Mosambik, 8.300 aus Kuba, 1.300 aus Angola und 900 aus China).  Gerhard Schöne erläuterte die Hintergründe des Lieds in einem Spiegel-Interview von 2001.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.