AfD Kreisverband Düren

Die hundertjährige Machtmaschine und ihre Käfer (Georg Kalden Karbowski) – Teil 1

Veröffentlicht

Vorwort:

In der folgenden Serie lassen wir ein Mitglied zu Wort kommen, welches die Schrecken der kommunistischen Diktatur am eigenen Leib erleben mußte bis er in den 80er Jahren in die BRD fliehen konnte. Die Entwicklungen der letzten Jahre in Deutschland lassen dunkle Erinnerungen in ihm hochkommen. Er läßt uns teilhaben an seinen Erfahrungen und mahnt uns vor den Mechanismen, die eine Diktatur funktionieren lassen. Er erkennt teilweise Mechanismen aus der kommunistischen Diktatur wieder und hier sollten bei uns allen die Alarmglocken schrillen. Demokratie und Freiheit muß jeden Tag neu gelebt und verteidigt werden und dafür setzen wir uns als AfD ein. Ein Wiedererkennen von gewissen Mechanismen in der heutigen Zeit bedeutet keine Gleichsetzung mit der Schreckensherrschaft der Kommunisten von damals, aber es ist legitim und eine Pflicht von Demokraten darauf aufmerksam zu machen, um Fehlentwicklungen in unserem demokratischen Rechtsstaat von Anbeginn zu korrigieren.

„Die hundertjährige Machtmaschine und ihre Käfer“                                             von Georg Kalden Karbowski

<<< TEIL 1 >>>

Als ich damals Ende der 80er Jahre als deutschstämmiger Aussiedler einem der sogenannten Oststaaten Europas den Rücken gekehrt habe, war ich davon heilig überzeugt, diese monströse, korrupte und menschenfeindliche Welt endgültig hinter mir gelassen zu haben. Dabei benutze ich hier absichtlich das Wort „Welt“ und nicht etwa System oder einen ähnlichen Begriff, weil es am besten die Komplexität und die Vielfalt der Existenz innerhalb des von der diktatorischen Obrigkeit festgelegten und aufgezwungenen Rahmens unter einer ständigen und allbestimmenden Kontrolle zu beschreiben vermag. Man kommt an das Wesen der Sache erheblich näher, wenn man sich anstatt des Lebens im Gefängnis das Leben auf einem anderen Planeten vorstellen würde. Der Grund dafür ist, dass man dort tatsächlich in einer anderen Realität zu leben gezwungen war, die man auch ausnahmslos nur in einer vorbestimmten Art wahrnehmen dürfte. Jeder, der in dieser Realität zu leben gezwungen war, weiß, was ich damit meine und welche tiefe Bedeutung diese Formulierung an sich hat. Sie zeigt aber gleichzeitig, dass es sich in jedem Fall hier um ein tiefgreifendes Erlebnis handelt und alle Menschen, die in dieser Realität gelebt und mit „dieser besonderen Luft“ damals auch geatmet haben gleichermaßen durch sie automatisch stigmatisiert wurden.

Wenn man das wirklich begreift, dann bekommt die bekannte Äußerung von Michael Klonovsky: „DDR war ein Dreckstaat“ eine völlig neue, tiefere Bedeutung. So gesehen, stammt sie aus dem Mund eines „Überlebenden“, der nach einem lang andauernden schlimmen Erlebnis damit bewußt einen Frieden schließen und das Thema so schnell wie möglich mit einem kurzen prägnantem Satz abschließen will. Dies kann ich sehr gut nachvollziehen, da auch ich bis vor kurzem mein „früheres Leben in dieser Welt“ mit Hilfe ähnlicher, routinierter Kurzsätze bezeichnete. Meine Sätze waren in der Regel auch durch Schlichtheit gezeichnet und obwohl sie auch immer der Wahrheit entsprachen, ließen sie sich leider nicht immer wiederholen. Die gegenwärtige politische Entwicklung in unserem Land, die sich in der letzten Zeit gerade vor meinen Augen abspielt, hat jedoch unerwartet meine gesamte Einstellung zu der erlebten Vergangenheit völlig auf den Kopf gestellt und mich automatisch gezwungen, mein Verhältnis zu dieser Phase meines Lebens gründlich zu revidieren. Alle in mir tief vergrabenen Sinneswahrnehmungen aus dieser Zeit, die auf einmal plötzlich wach wurden, erinnern mich an ein beklemmendes Gefühl der Bedrohung, das ich bereits zum Teil vergessen habe, das jedoch dem Nachgeschmack beurteilend eindeutig aus der erwähnten roten Welt zu stammen scheint.

Seitdem erlebe ich zum wiederholten Male noch einmal „den gleichen Film“ wie damals vor 40 Jahren in Polen unter der kommunistischen Herrschaft. Ich führe die gleichen Gedanken, verspüre die gleichen Ängste, werde von den gleichen Gefühlen gesteuert und habe die gleiche unverkennbare Wut in meinem Bauch wie damals. Alles hat vor einer gewissen Zeit so langsam, unbedeutend und schleichend angefangen, dass mir überhaupt nicht klar wurde, womit ich es eigentlich zu tun habe. Zuerst dachte ich, dass es daran liegt, dass ich einfach älter werde und solche Art von Déjà-vus etwas mit den Gedanken und Reflexionen aus der vergangenen Zeit zu tun haben. Mit der Zeit wiederholten sich allerdings diese Déjà-vus immer öfter und betrafen immer mehr Bereiche meines Lebens. Diese Erinnerungsanfälle traten mit der Zeit jedoch so oft, dass ich endlich ein klares Gefühl bekam, von meiner Vergangenheit irgendwie nachgeholt zu werden. Noch bis vor ein paar Jahren habe ich geglaubt, mein früheres Leben unter der trüben kommunistischen Sonne hinter mir gelassen zu haben. Jetzt habe ich ein Gefühl, als ob es diese letzten 30 Jahre, die ich hier in Freiheit verbringen durfte, in meinem Leben nie gegeben hätte. Ich bin aus mir völlig unerklärlichen Gründen in eine Zeitschlaufe geraten, aus der das Endkommen mir unmöglich scheint.