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Positionspapier der AfD-Fraktion im Stadtrat von Düren zur Innenstadtentwicklung

Die AfD-Fraktion im Stadtrat von Düren hat am 10. August 2014 das folgende Positionspapier zur Innenstadtentwicklung vorgelegt:

Ausgangslage

Die AfD stimmt darin überein, dass ein zukunftsorientiertes Handlungskonzept zur Grundlage gemacht werden sollte, das die nicht zu beeinflussenden externen Einflüsse und Trends berücksichtigt. Die Stadt Düren befindet in einer ungebremsten Abwärtsspirale, was das Niveau des Einkaufs- und Wohnumfeldes im Stadtzentrum angeht. Die Ursachen hierfür sind vielfältig, teils auf externe Einflüsse zurückzuführen, teils aber auch auf elementare politische Fehlentscheidungen in der Vergangenheit.

Wesentliche Einflussfaktoren

Nur wenige kaufkräftige Dürener Arbeitnehmer leben noch im Stadtzentrum. Sie leben außerhalb des Zentrums und arbeiten größtenteils in anderen Kommunen. Düren exportiert Arbeitskräfte und Kaufkraft ins Umland.

Generell wird ein ständig zunehmender Teil des Einzelhandels durch das Internet abgewickelt. Dieser Trend wird sich noch verstärken. Das wird zur Folge haben, dass immer weniger Einzelhandelsfläche benötigt wird, besonders in den Stadtzentren. Der Leerstand, insbesondere in allen Lagen schlechter als 1A, wird weiter wachsen. Die Zahl der dauerhaft leerstehenden Ladenlokale in Düren wird stetig wachsen.

Der tägliche Bedarf (insbes. Lebensmittel) wird im großflächigen Einzelhandel außerhalb des Stadtzentrums gedeckt, wo sich Einkäufe bequem und ohne lange Parkplatzsuche erledigen lassen. Der Einzelhandelsbesatz durch Filialisten im Stadtzentrum mit einem gleichartigen und einem beliebigem Warenangebot schafft dagegen keine Attraktivität. Und zusätzlich treten noch weitere Beschwernisse hinzu, wie umständliche Parkplatzsuche, hohe Parkgebühren, Kosten für Protokolle bei Verstößen.

Immer weniger Einwohner bewohnen das Stadtzentrum in Düren. Der Grund hierfür ist die fehlende Qualität des Wohnraums, keine Parkplätze am Objekt, keine Möglichkeit der jederzeitigen Anfahrt zum Mietobjekt (Fußgängerzone). Infolgedessen  steht der Wohnraum  leer oder wird von einkommensschwachen Bevölkerungsschichten genutzt, was die zur Verfügung stehende Kaufkraft vor Ort negativ beeinflusst.

Leerstehende Ladenlokale und rückläufige Mieten signalisieren bereits die Schwierigkeiten, Anschlussmieter zu finden. Die Attraktivität der Innenstadt befindet sich in einer ungebremsten Abwärtsspirale. 

Einfluss der Fußgängerzonen und der Parkraumbewirtschaftung auf das Einkaufsverhalten

Fußgängerzonen und verkehrseingeschränkte Zonen in Düren haben  ihren Zweck erfüllt. Sie halten den Verkehr aus der Innenstadt heraus und  mittlerweile ist das Gegenteil eingetreten. Sie schrecken ab. Es gibt keinen Grund mehr, die Innenstädte aufzusuchen, weder in Bezug auf das Warenangebot noch was die Bequemlichkeit des Zugangs angeht. Es fehlt die Attraktion.

Temporäre Ausnahme sind die Tage mit Wochenmarkt oder  mit Sonderveranstaltungen. Danach tritt wieder gähnende Leere ein. Die wenigen Standorte mit Außengastronomie in der Innenstadt sind einige wenige Inseln mit Leben  in der Einöde.

Die Geschäfte in der Innenstadt sind auch auf  Besucher angewiesen, die außerhalb des Stadtzentrums  oder außerhalb von Düren wohnen. Diese kommen fast ausschließlich mit dem Auto. Der Anteil des ÖPNV ist bedeutungslos.

Diese Leute wollen möglichst bequem und schnell ihr Ziel erreichen, aber auch möglichst leicht und bequem ihr Auto abstellen. Leicht erreichbare Open-air-Parkplätze haben dabei absoluten Vorrang vor Parkhäusern oder Tiefgaragen.

Die Eliminierung von leicht zugänglichen Open-Air-Parkplätzen verschlechtert die Standortqualität weiter ebenso wie eingeschränkte Parkverbote, hohe Parkgebühren und das Abkassieren der Parkenden bei Verstößen gegen die Verkehrsregeln. Wer mehrmals hintereinander abkassiert wurde, wird sich überlegen, ob er unbedingt die Innenstadt aufsuchen muss.

Hier muss man über andere Konzepte nachdenken:

  • Änderung der Verkehrswege des ÖNPV und Wieder-Öffnung einzelner Verkehrswege für die Allgemeinheit.
  • Schaffung eines Verkehrsleitsystems für die Parkräume
  •  Abschaffung der Parkgebühren in bestimmten Innenstadtbereichen für einen befristeten Parkzeitraum und Kontrolle über Parkscheibe oder Parkuhr mit freiem Zeitanteil.
  • Abschaffung von bestimmten Zonen mit eingeschränktem Parkverbot.
  • Strikte Beschränkung der Fußgängerzonen auf die Straßenteile mit hoher Fußgängerfrequenz.

 Problem Zersplitterung der Einzelhandelsstandorte

Mit der Entwicklung des City-Centers wurde ein neuer Schwerpunkt außerhalb des traditionellen Kernbereichs des Einzelhandels im Stadtzentrum von Düren gesetzt. Das hat dazu geführt, dass sich die ohnehin schwachen Besucherströme aufteilen, die infolgedessen bestimmte andere Teilbereiche der Fußgängerzonen nicht mehr berühren, die früher aufgesucht wurden. Richtig wäre gewesen, die Gewichtung der traditionellen Standorte zu stärken durch eine Verdichtung und Konzentration.

Letzte Möglichkeit dem entgegenzuwirken, wäre die Umwandlung des Parkplatzes Schützenstraße unter Einbeziehung des Kaufhofes und einzelner Eigentümer in der Wirtelstraße, um eine Karree-Entwicklung mit überdachten Passagenlösungen zu schaffen mit dem Ziel, klein- und großflächigen Einzelhandel miteinander an diesem Standort zu verbinden  und über die Steigerung der Attraktivität als Einkaufsmeile an einem solchen überschaubarem Standort auch Kaufinteressenten aus dem Umland anzuziehen.

Damit würde dann auch der Anblick der Rückseite der Wirtelstraße so verbaut, dass die Bausünden der Nachkriegszeit verdeckt werden.

Nur wenn es gelingt, einen Schwerpunkt zu bilden, die Attraktivität zu steigern und die Rahmenbedingungen zu ändern (vorstehendes Kapitel) hat der innerstädtische Handel in Düren eine nachhaltige Überlebenschance. Ansonsten  droht ein Aussterben des innerstädtischen Einzelhandels auf Raten und eine weitere Verödung der Innenstadt.

Problem Stadthalle

Das Schicksal der Stadthalle ist ein weiteres, aber besonders herausragendes Beispiel für die Inkompetenz und Ignoranz der über Jahrzehnte in Düren dominierenden Alt-Parteien, gepaart mit ungeschicktem Verwaltungshandeln.

Der Standort ist weitab gelegen von den Fußgängerzonen und geprägt durch die umliegenden Schulen und den Park. Jedwede Einzelhandelsnutzung an diesem Standort verbietet sich, weil es nur zu einer weiteren, unerwünschten Aufsplitterung der Einzelhandelsstrukturen führen würde.

Es gibt nur zwei Nutzungsformen, die für diesen Standort geeignet sind, ggfls. auch in Kombination, nämlich Wohnnutzung oder Hotellerie, gleichgültig in welcher Form. Düren hat insbesondere Bedarf für  hochwertige und behindertengerechte Wohnungen in Zentrumsnähe, denn der vorhandene Wohnraum ist für solche Zwecke fast vollständig unbrauchbar

Was eine Hotelnutzung angeht, wäre darauf zu achten, dass das Konzept nicht zu bereits vorhandenen Angeboten in Konkurrenz tritt, sondern sich als Alternative darstellt.

Masterplan

Der gegenwärtig diskutierte Masterplan weist elementare Lücken auf. Die zukünftige Entwicklung der Innenstadt hängt maßgeblich davon ab, wie sich zukünftig Düren als kleiner Mittelstandort im Spannungsfeld zwischen Aachen und Köln behaupten kann. Wenn sich aber der aktuelle Trend weiter entwickelt, so verkommt Düren vollends zur Schlafstadt. Für den innerstädtischen Einzelhandel wäre das ein Todesurteil.

Infolgedessen muss der Schwerpunkt der Anstrengungen darauf ausgerichtet werden, die Stadtregion Düren als Standort für neue gewerbliche und industrielle Aktivitäten zu entwickeln, was man bisher unterlassen und verschlafen hat. Es müssen zusätzliche neue Arbeitsplätze im stadtnahen Bereich geschaffen werden. Der aktuelle Flächennutzungsplan, der die Grundlage für solche Aktivitäten ist, datiert noch von 1999 und weist keine großflächigen Standorte für solche zusätzlichen Entwicklungen aus.

Die Wirtschaftsförderung in Düren gibt es in der jetzigen Form erst seit 2007. Man braucht nur im Internet zu recherchieren, um festzustellen, dass erfolgreiche Wirtschaftsförderung, die diesen Namen verdient hat, woanders stattfindet, aber nicht in Düren. Das muss sich ändern.

Ausblick

Ja, es bedarf also eines Masterplanes, aber nicht nur für die Innenstadt, sondern für ganz Düren. Ohne einen ganzheitlichen Ansatz wird sich in Düren nichts verbessern.

Wir fordern deshalb die Erstellung eines Gesamtkonzeptes für die Aufwertung des Wirtschaftsstandortes Stadtregion Düren, bei der die Innenstadtentwicklung ein Teil sein kann. Zugleich muss der Masterplan Innenstadt wesentliche Ergänzungen erfahren  hinsichtlich der Konzentration des Einzelhandels, der Schaffung eines Parkraumleitsystem, einer Neuordnung der Parkraumbewirtschaftung und einer Öffnung von Verkehrswegen.

Düren, den 10. Aug. 2014

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